Donnerstag, 16. Februar 2012

Comox Valley

Seit nun mehr 2 Monaten leben wir im Comox Vallex, die 59stigst größte metropole Region Kanadas gelegen auf Vancouver Island. Zwei Inseln und unzählige eher kleinere Dörfer wie auch die kleine Stadt Courtenay gehören dazu. Wenn man sich das alles so anschaut passt das Wort „Metropole“ eigentlich überhaupt nicht. Alles erscheint einfach zu klein.
Obwohl es überall sonst in Kanada und in weiten Teilen Europas eisig zu sein scheint, ist es hier mitunter schon Recht frühlingshaft. Natürlich regnet es ungemein viel. Aber wenn es einmal trocken ist, dann gehen wir gerne mit der gesamten Hundebande, bestehend aus unseren beiden Hunden und den drei spazierfähigen Hunden unserer Vermieterin Bonnie in den Wald und erforschen die unterschiedlichen trails.

Mit den Hunden auf dem Bevan Trail
Gelegentlich verschwinden die Hunde im Unterholz. Wenn Sie dann wieder auftauchen, dann haben sie stets einige alte Rehteile dabei, die sie mit nach Hause schleppen, um dann den Rest des Tages darauf herum zu kauen.

Brynn und ein alter Rehknochen
Obwohl die Natur hier mit den riesigen alten Bäumen, den über uns kreisenden Adlern und sonstigen Getier oft unglaublich schön ist, treffen wir auf unseren Wanderungen aber auch immer wieder auf wilde Müllkippen, die so gar nicht ins Bild passen.
Wilde Müllkippe
Leider ist das Bewusstsein der Kanadier für umweltschonende Mülltrennung und Beseitigung zumeist nicht sehr weit fortgeschritten, so dass Geschäfte weder Batterien noch Pfandflaschen zurücknehmen und viele Kanadier ihren Müll ganz simpel hintern Haus in einer Feuertonne verbrennen oder einfach irgendwo in den Wald kippen.
Abgesehen von den wilden Müllkippen fanden wir auch die restlos abgeholzten Flächen nicht ins Bild passend. Diese Flächen werden „Clear Cut „ genannt. Große Logging Companys holzen bei dieser Technik alle Bäume ab, egal ob alt oder jung. Danach schicken sie eine Horde Treeplanter (BaumpflanzerInnen) um die Gebiete wieder auf zu forsten.
Clear cut
Und nach einigen Jahren beginnt das Spiel von neuen. Nur dass die Zeiten, in denen die Bäume wachsen können, bevor sich wieder abgeholzt werden immer kürzer werden.
Letzte Woche gab es in der öffentlichen Bibliothek (www.virl.bc.ca) eine Lesung von einer Treeplanterin, die in ihrem Leben bereits eine Millionen Bäume gepflanzt hat. In ihrem neuen Buch „Eating Dirt“ beschreibt sie diesen körperlich sehr aushöhlenden job, der ihr doch so viel bedeutet und den sie liebte, solange sie ihn ausüben konnte. Sie beschrieb das Leben in der den oftmals abgelegensten Gebieten, nur mit ein paar anderen Treeplanter und ihren Hunden. Da Treeplanter pro eingegrabenen Setzling bezahlt werden und für jeden Setzling nur wenige Cents bekommen, müssen sie schnell arbeiten, um davon leben zu können. Die wirklich guten Arbeiter verdienen mitunter 350 Dollar am Tag, Neulinge zumeist kaum mehr als 20. Was allen Treeplantern aber nach einiger Zeit gemein ist: Sie bekommen ein anderes Zeitgefühl. Alles und jeder erscheint ihnen zu langsam. Sie reden schnell, sie essen schnell, sie müssen immer schnell los, auch wenn sie frei haben scheint der nächste Setzling sie anzutreiben und der nächste Setzling und der nächste Setzling. Trotzdem ist Treeplanting ein sehr gefragtes Berufsfeld. Als Neueinsteiger auf der Insel ist hier aber schwer heranzukommen. Leichter ist es da schon eine saisonale Arbeit auf dem „Mount Washington Ski Resort“ zu bekommen; aber auch nicht so leicht. Aus eigener Erfahrung würde ich immer raten vorher den sogenannten „jobshop“ (www.thejobshop.ca) zu besuchen. Hier ist es möglich sich über das Procedere beim Jobinterview zu informieren um somit dann nicht von überraschenden Fragen aus der Bahn geworfen zu werden.
Wir haben hier inzwischen so viel Zeit mit dem Suchen eines jobs verbracht, dass sich die Jobsuche nun schon anzufühlen beginnt, als hätten wir quasi einen job als „Jobsuchender“…natürlich ohne Bezahlung versteht sich. Trotzdem wir uns gerade mitten in der Skisaison befinden und ständig Leute auf dem Ski Resort gefeuert werden, kommen doch auch immer neuer BewerberInnnen. Die Glücklichen, die es schaffen auf dem Berg einen job zu ergattern, bekommen zusätzlich einen kostenfreien Skipass, Unterricht und Ausrüstung, weswegen die jobs natürlich noch begehrter sind. Offene Stellen finden sich im internet unter www. mountwashington.ca oder auf Nachfrage bei den einzelnen Departments und bei Owen Embree, der als Anlaufstelle für Arbeitssuchende auf dem mountain immer Freitags persönlich zur Verfügung steht. 


Im Schneesturm auf dem Mount Washington
Obwohl ich schon gerne einen job auf dem mountain hätte, habe ich doch inzwischen wenig Hoffnung noch einen zu bekommen. Und das ist schade, da ich mich doch immer heimischer hier fühle. Besonders in der Nähe des Meeres zu wohnen ist für mich e in Traum.
Wann immer es möglich ist machen wir einen Ausflug ans Meer. Dort finde ich wundervolle Steine und Schneckengehäuse. Schwer wiegen meine Taschen, wenn wir danach nach Hause kommen. Und meine Reisebegleitung spricht von teurem Übergepäck, sollte ich weiterhin versuchen, den halben Strand einzupacken.
Nebeliger Morgen am Meer, der Boden ist übersät mit angeschwemmten Seaweed, welches hier gerne als Dünger für den Garten genutzt wird

Steine von Goose Spit (Comox)

Auch für Rugbyinteressierte hat Comox Vallex etwas zu bieten. Der örtliche Rugbyclub Kickers (http://kickersrugby.ca/) läd jeden und jede zu ihrem Training am Dienstag und Donnerstag ein.
Kickers Männermannchaft bei einem Ligaspiel am 12.02.2012

Valentinsstag brachte mich um mein Rugby Training! Stattdessen ging ich spazieren und fand ein Herzstein.
So sehr ich mich auch Zuhause fühle in unserem Waldhaus auf Vancouver Island…das Weiterziehen rückt mit jedem Tag näher. Und ich sehe es gespalten. Einerseits wird es mir schwer fallen, diesen Ort wieder zu verlassen. Andererseits freue ich mich schon wieder auf die neuen Abenteuer, die das Reisen mit sich bringt. Ich bedaure nur, dass es noch zu kalt zum Zelten ist und wir darum auf andere Unterkünfte zurück greifen werden müssen. Und obwohl die meisten Kanadier und auch etliche Herbergen sehr hundefreundlich sind, mag es doch recht hilfreich sein, dass ich vor kurzen über eine Seite im Internet gestolpert bin, die kanadaweit hundefreundliche Unterbringungen gelistet hat (http://www.pawsperouspets.com/travel.shtml#bc).

Aber wer weiß, vielleicht brauchen wir diese Seite ja auch gar nicht. Wir haben uns entschlossen erst morgen eine Entscheidung über die weitere Gestaltung unseres Lebens zu treffen, was unsere Vermieterin eher lustig fand. Bonnie meint, man könne das Leben sowieso nur „soso“ planen. Die meisten Dinge passieren einfach ohne, dass man sie geplant hat, sagt sie. Nicht ganz falsch, wie ich finde. 
Aber versucht ja nie am Valentinstag zum Training zu kommen. Da lassen die offenbar romantisch veranlagten RugbyspielerInnen auch gern mal spontan ein Training ausfallen, wie ich überraschend feststellen musste.

Montag, 23. Januar 2012

Unser Leben Auf Vancouver Island

Wir wohnen jetzt im Lake Trail Gustehouse. Mit der wirklich netten und extrovertierten Besitzerin Bonnie haben wir einen Deal ausgemacht: Wir arbeiten am Tag 2.5 h für sie und brauchen dafür nur die Hälfte der Miete zu bezahlen (350$ im Monat). Meine erste Aufgabe bestand darin ein Schild mit der Aufschrift: „Lake Trail Guesthouse“ zu basteln. Da Hostels bei Familien (die mehr Geld einbringen) einen schlechten Ruf haben, hat sich Bonnie in den Kopf gesetzt, aus ihrem vormaligen Hostel ein Guesthouse (also eine Pension) zu machen. Dies sollte nun mit einem schönen, neuen Schild vollendet werden. Als dann die erste Familie kam, bemerkte die Mutter, das es nur zwei Bäder, sowie eine Küche für alle BewohnerInnen gab. Voller Verwunderung fragte sie schließlich: Dies ist nicht wirklich ein Guesthouse? Das ist eher ein Hostel, nicht wahr? Tja, dieser schöne Platz bedürfte wirklich einer Renovierung, um daraus ein Guesthouse zu machen. Aber das kostet wahrscheinlich zu viel.
Weiterhin gibt es auf Bonnie‘s Grundstück neben sehr viel Wildwuchs auch 50 alte Apfelbäume. Diese wurden seit Ewigkeiten nicht beschnitten.

Dieser Apfelbaum wurde seit vielen Jahren nicht beschnitten und schaut entsprechend wild aus.

Das verleiht diesen Bäumen im Winter eine etwas gruselige Gestalt - aber trotzdem schön. Da Bonnie neuerdings bestrebt ist, mir neue Dinge beizubringen, ging es nach einer kurzen theoretischen Einführung ins "pruning" (beschneiden von Bäumen) mit der Gartenschere los. Jetzt sehen einige Bäume wirklich ziemlich kahl aus. Aber ich soll das ganz gut gemacht haben, sagt zumindest der Nachbar.

Dieser Baum ist nun fertig frisiert.

Ansonsten helfen wir Bonnie beim Putzen und wenn sie mal nichts zu tun hat, dann werden wir an Nachbarn und Freunde ausgeliehen. So duften wir bei ihrer Nachbarin die Fenster und den Rest des Hauses putzen. Das war übrigens Bonnie’s Weihnachtsgeschenk an ihre Nachbarin. Aber wir wurden auch schon weiter weg geschickt. So zu ihrer Freundin nach Quadra Island. Eine kleine Insel im Norden. Dort hatten wir unsere eigene Hütte. Quadra Island ist sehr beliebt bei Touristen im Sommer und es ist wirklich schön dort.
Treibholz im "Goose Spit" National Park auf Quadra Island.
Neben jeder Menge Treibholz, gibt es lange Strände, an denen wir mit unseren Hunden spazieren gehen konnten. Leider war die Besitzerin der kleinen Pension aif Quadra eine richtige Schinderin. So sollten wir immer alles Mögliche machen und ich konnte nie eine Arbeit beenden, weil es schon wieder was anderes wichtigeres gab. So sollte ich ein erst Geländer bauen. Als ich aber gerade anfing zu sägen, musste ich einen alten Kühlschrank tragen. Doch dann auf einmal, war wieder das Putzen des Flurs wichtig, dann, aber gleichzeitig sollte auch die Badbaustelle weitergetriben werden u.s.w..Dies führte nach zwei Tagen dazu, dass sich das Geländer in eine Falle verwandelt hatte, da es zwar fertig aber nicht angeschraubt an seinem Platz stand. Der Kühlschrank blockierte die Tür eines Bewohners, sodass dieser durch einen Schuppen kriechen musste, um nach draußen zu kommen. Zum Glück musste die Besitzerin einen ganzen Tag weg und gab uns diverse Aufgaben. Als erstes sollten wir die Kacheln in einer Dusche verfugen. Ganz nebenbei bemerkt, war dafür schon ein Handwerker vorgesehen, den sie bezahlen wollte. Aber sie hatte ja uns, ihre Sklaven, denen sie nur eine Hütte geben brauchte. Wir fingen also an das Mosaik in der Dusche zu verfugen. Es dauerte den ganzen verdammten Tag. Aber ich war trotzdem zufrieden, da es echt gut aussah und ich mal wieder was gelernt hatte. Am nächsten Tag, wunderte sich dann die Besitzerin warum wir nicht alles in 2,5 h geschafft hatten. Warum z. B. der Garten noch nicht mit Algen, die wir aus dem Meer fischen sollten, bedeckt war. Na, ja ich wollte mich nicht streiten. Auf jeden Fall war sie mit der Dusche echt zufrieden und lud meine Reisebegleiterin auf eine Girlsparty ein. Hier konnten einige Frauen ihrer täglichen Unterdrückung ein Ventil verpassen. Eines der Hauptthemen war: Wie soll Frau, Männern beibringen, dass sie im Sitzen pinkeln. Dazu wurden verschiedene Lösungsmodelle vorgeschlagen. Einige Frauen gingen in einen Putzstreik, was dazu führte, das die Töchter putzen mussten. Einige schickten ihre Töchter vor, die ihren Vätern die Leviten lesen sollten - hat funktioniert. Ein besonders heiß diskutierter Vorschlag war den Männern einen Stromschlag zu verpassen. So hatte ein Mann in Polen von einer Brücke gepinkelt und dabei eine Zug-Stromleitung getroffen. Er wurde gegrillt und das war auch richtig so, meinten einige. Tja, da war ich echt froh nicht eingeladen gewesen zu sein. Aber sie hatten recht. Ich darf im Gasthaus jeden Tag Klos putzen und es gibt seit zwei Wochen einen Stehpinkler. Jedenfalls schaut mich jeden morgen, das Klobecken mit hochgeklappter Brille an und der Fussboden, die Wände und das Klo selbst sind mit gelber Pisse besprenkelt. Tut es doch draußen! Da ist es eh viel schöner, denke ich seitdem jeden morgen.

Diese Zettel befanden sich in unseren Christmas Knallbonbons zusammen mit einer bunten Papierkrone und kleinem Plastikspielzeug.

Pünktlich zu Silvester kam auch unser Weihnachtspacket mit Karten und jahreszeitlich passsender Dekoration an.
Weihnachten verbrachten wir auch hier auf Vancouver Island. Am 25. 12 gab es ein Büfett in Bonnie’s Haus und alle Mieter und Herbergsgäste waren eingeladen. Nachdem ein zwei Flaschen Wein geleert waren, beschloss Bonnie ihre Nachbarin zu überraschen. Das heißt alle Gäste bekamen ein paar ausgedruckte Weihnachtslieder verpasst und mussten ihrer Nachbarin was vorsingen. Aufgrund Bonnies´resoluter Art, traute sich niemand, sich zu drücken. Und so war der Chor einigermaßen laut, wenn auch nicht immer ganz melodisch.
Am nächsten Tag hatte Bonnie für jeden Bewohner einen Strumpf unter den Plasteweihnachtsbaum gelegt. Das war echt nett und wir bekamen sogar über die Feiertage frei. Der Silvesterabend hatte sich für mich im nach hinein wirklich gelohnt. Auch hier wurden Nachbarn und Gäste eingeladen um dem Glücksspiel zu frönen. So wurde gespielt - eine Karten- Brettspiel Kombination. Jeder konnte ein Dollar in ein Cent Stücken umtauschen und es ging los. Doch schon nach fünf Minuten entbrach ein wilder Streit über die Spielregeln und ich, der das Spiel noch nie gesehen hatte, war ziemlich verzweifelt. Nach ca. 1 h waren sich dann alle einig über die Spielregeln. Meine Reisebegleiterin hatte schon die Runde verlassen und glaubte ich würde mit leeren Taschen wiederkommen. Doch ich hatte Glück, gewann das Spiel und sahnte sagenhafte 4 Dollar ab. Den Rest des Abends verbrachten wir dann mit und den Hunden am Lagerfeuer.

Zwischen den Feiertagen nutzten wir die Zeit, um Bewerbungen für Jobs zu schreiben. Es ist nämlich so, das mensch hier sogar für jeden noch so mickrigen Job ein Resume braucht. Sogar wenn ich als Tellerwäscher arbeiten will. Na ja, die Jobsuche kann echt frustrierend sein, zumal im Winter die Jobs hier rar sind. Es gibt zwar das Mount Washington Alpine Resort, doch die hatten schon ihre 900 Jobs vergeben. Zudem gab es auch nicht genügend Schnee und Gäste. Wie uns auch schon verraten wurde, werden die Jobs generell bevorzugt an Einheimische vergeben. Deshalb werden wir wohl wieder einmal umziehen müssen. Tja, aber dazu mussten wir erstmal unser Auto reparieren lassen. Wie sich herausstellte, kam das schleifende Geräusch von unserer nicht mehr vorhandenen Bremse. Das sogenannte Pad- mit dem mensch bremst, war vollkommen weg und wir bremsten seitdem mit dem Metallteil, auf dem das Pad sitzt. Glücklicherweise wurde uns ein billiger Mechaniker empfohlen und der hat alles für 120 $ repariert. Er meinte auch, das die Bremsen zwei Jahre halten und das, als wir das Auto gekauft hätten, die Bremsen nur max. zu 10% vorhanden gewesen sein können. Das heißt, das unserer Safety Dokument oder zu deutsch der TÜV gefälscht war. Gruselige Vorstellunge. Aber jetzt ist ja alles wieder gut!

Montag, 16. Januar 2012

Fahrt nach Vancouver Island durch die Rockie Mountains.

Nachdem wir uns nun entschlossen hatten, den Musher mit seinen Schlittenhunden zu verlassen, ging es weiter Richtung Westen. Als grobes Ziel hatten wir erst einmal Vancouver Island ins Auge gefasst. Dies sind 2000 km. Da wir keinen genauen Zeitplan hatten, konnten wir uns auch kleinere Abstecher entlang der Route erlauben. So sahen wir ein Schild mit der Aufschrift “Cree Nation Museum 15 km“. Da wir bisher von Gerry unserem musher immer nur Schauergeschichten von den Natives kannten, wollten wir uns selber mal anschauen, wie es in einem Reservat aussieht. Außerdem wollte ich immer mal etwas über die Geschichte der Natives wissen und das vielleicht nicht nur von mit Vorurteilen bespickten Weißen.

Nachdem wir 25 km in besagter Richtung gefahren waren (Ich hatte aus Erfahrung auf den Kilometerzähler geschaut), hatte ich schon gar keine Lust mehr und wollte wieder zurück auf den Highway, da sahen wir erste Häuser. Wie uns Gerry erzählte, bezahlt er mit seinen Steuern ja diese Häuser in den Reservaten. Auf jeden Fall kann das nicht viel gewesen sein, denn die meisten Häuser sahen eher aus wie bessere Container oder waren nur halb fertig. Wie auch immer...eigentlich wollten wir ja zum Museum. Nach ca. 30 km kam dann so etwas Ähnliches, das aussah wie ein Stadtzentrum. Es gab eine Schule, sowie ein Geschäft, das die örtliche Bevölkerung mit junk food und Coca Cola versorgte. „Gut“ dachte ich, "wenn‘s ein Museum gibt dann hier", und beschloss einfach mal jemanden zu fragen. Dies gestaltete sich schwieriger als gedacht. Als ich den ersten fragte, drehte der sich einfach um und ging weg. Das gleiche geschah, als ich eine Gruppe von SchülerInnen ansprach. "Oh mein Gott", dachte ich,"du musst hier als Weißer total außerirdisch sein". Zum Glück verriet mir dann doch eine Schülerin, wo das Museum ist. Nämlich in der Arena. Das Gebäude hatte ich im vorbeifahren schon mal gesehen. Dort angekommen wurden wir gleich mit „Ihr habt euch wohl verlaufen, was?“ begrüßt. Anscheinend kommt nicht oft ein Weißer hier her. Nachdem wir ein halbes dutzend Leute gefragt hatten, wo genau in dem auufernden Gebäude denn nun das Museum sei, landeten wir vor einer Tür, die eher so aus, als ob es dort zur Besenkammer ging. Als wir die Tür öffneten, standen dort alte Stühle, ein Wischeimer, sowie übereinander gestapelte Aktenschränke. "Oh" dachte ich, "hier sind wir wohl falsch". Dann sah ich aber die rauchende Lady. Sie stand neben einem Schild, dass besagte: „Wir möchten noch einmal ausdrücklich darauf hinweisen, dass hier das Rauchen verboten ist“. Sie sagte uns, dass ihre Kollegin grad Mittagspause macht und das Museum eigentlich geschlossen ist, aber wir könnten uns trotzdem mal umschauen, was wir dann auch taten. Leider gab‘s nicht viel zum anschauen, da der Raum nur spärlich und die Schaukästen gar nicht beleuchtet waren. Aber zum Glück hatten wir unsere Taschenlampe dabei und konnten uns Kleidung, ausgestopfte Tiere und irgendwelche Steine anschauen. Leider gab es dazu keine Erklärungen und auch die Frau, die das Museum leitete konnte uns nicht soviel dazu erzählen. Von daher wirkte die ganze Ausstellung wie ein Haufen zusammengewürfelter Gegenstände ohne Zusammenhang. Schade.
Danach beschlossen wir etwas in einem Imbiss zu essen. Nachdem wir unsere Bäuche mit Pancakes gefüllt hatten, kam ein vielleicht 15 jähriges Mädchen in den Imbiss und versuchte ein wenig Reis zu bekommen. Da sie aber nicht einmal einen Dollar hatte, bekam sie nichts. Leider verschwand sie realtiv schnell, sonst hätten wir ihr sicherlich mindestens den Dollar gegeben.

Da sich der Tag dem Ende neigte, wollten wir wenigstens Edmonton hinter uns lassen. Dies ist eine Stadt mit 800 000 Einwohnern und hat einen dementsprechenden Verkehr. Ich hatte wirklich Angst und war froh, dass ich nicht fahren musste. Selbst in Berlin oder Hamburg habe ich so etwas noch nicht gesehen. Die Leute fahren hier wirklich fast Stoßstange an Stoßstange. Vielleicht zwei Meter voneinander entfernt und das ganze bei 120 km/h und im Berufsverkehr. Dazu gibt es neben den offiziellen Auffahrten noch kleine Nebenstraßen, die auf den Speed Highway führen und für kleine Überraschungsfahrer sorgen. Leider haben wir bei dieser Höllenfahrt, als wir überholt wurden, durch einen Stein auch unseren ersten Riss in der Windschutzscheibe bekommen. Jetzt sieht unser Auto, wie ein gewöhnlich Kanadisches aus, denn nahezu alle Fahrzeuge haben zumindest einen Steinschlag in der Scheibe. Trotzdem schade.
Nachdem wir in einem Motel übernachtet hatten, erreichten wir am nächsten Tag die Rocky Mountains. Eines unserer Zwischenziele war Jasper. Die kanadische Version eines österreichischen schickimicki Skiortes. Es gibt hier sogar Bürgersteige. Auf jeden Fall hatten uns einige Leute erzählt, dass es hier auch gut bezahlte Jobs geben sollte. Aber dem war oder ist noch nicht so. Die meisten Geschäfte waren nämlich geschlossen, weil es kaum Ski-Touristen gab. Auch Kanada hat der Klimawandel erreicht.
Da der Ort teuer und für uns eher gewöhnlich wirkte, beschlossen wir weiter zu fahren. Als es dann Abend wurde, suchten wir nach einer Übernachtungsmöglichkeit. Dies gestaltete sich ziemlich schwierig, da wir, den Hinweisschildern folgend, entweder im nirgendwo auf einer verschneiten Bergstraße landeten oder aber bei Leuten die gar kein Hostel besaßen. Der letzte Versuch führte uns zu einem ziemlich abgelegenen Hostel. Es war auch niemand zu sehen. Als wir schließlich klingelten öffnete uns ein ziemlich verschlafener Mann in Jogginghosen die Tür. Er erzählte uns, dass die Besitzer eine Reise nach Mexiko gewonnen haben und das Hostel verkaufen wollen. Er sei nur hier um Aufzupassen. Aber er sagte auch “Kommt erstmal rein“. Wie sich herausstellte, hatte er seit zwei Wochen keine Menschenseele gesehen und war froh uns zu treffen. Da er auch ein passionierter Holzfäller ist, durfte ich mir 4 Stunden lang YouTube Videos über das richtige Fällen eines Baumes anschauen. Aber er spielte auch ein wenig mit seiner Gitarre und sang uns viele seiner Lieblingslieder vor. Als es dann spät wurde, schliefen wir alle in einem kleinen, winzigen Raum und wurden am nächsten morgen mit einem typisch kanadischen Frühstück geweckt. Ich durfte mir auch wieder einige Holzfäller-Videos anschauen. Dann ging es weiter und wir mussten uns entscheiden, welche Route wir nach Vancouver nehmen wollten. Da gibt es nämlich den Trans Canada Highway, den alle nehmen (vor allem die Trucks) und einen kleineren Highway, der durch Hells Gate führt.
Hell's Gate ist ein Ort im Fraser Canyon, wo ein ziemlich wilder Fluss durchrauscht. Er ist so etwas wie eine Touristenattraktion und nur mit einer Seilbahn zu erreichen. Wir entschieden uns mal nach Hell's Gate zu fahren. Als wir dort ankamen, war die Seilbahn leider geschlossen (bis April). Also fuhren wir weiter durch die Berge, mit engen Schluchten, steilen Abhängen und alles was dazu gehört. Irgendwann merkten wir, dass die Warnlampe unserer Handbremse ständig leuchtete. Das tat sie vorher schon öfter, ging dann aber wieder aus. Auch hörten wir ein merkwürdiges, metallisches Schleifen. Wir hofften zu diesem Zeitpunkt die Geräusche würden irgendwann wieder verschwinden. Wie naiv! Irgendwann wurde es dunkel und der Weg immer kurvenreicher und abschüssiger. Da beschloss unsere Fahrerin lieber langsam zu fahren. Das heißt 40 oder max 50 km/h. Ich hatte wieder mal Angst, da die Truckfahrer hier gerne mal 120 km/h fahren und uns vielleicht nicht immer rechtzeitig sehen würden. Truckfahrer sind hier wirklich wahnsinnig. Ich meine, es war Eis auf dem Highway und es gab auch Schneeverwehungen und überall am Straßenrand standen halb eingeschneite Schilder auf denen ein Truck abgebildet war, der gerade am Umkippen ist. Nachdem wir von diesen Wahnsinnigen genug hatten, beschlossen wir uns ein Hostel zu suchen. Wir fanden auch eins, indem wir die einzigen Gäste waren. Der Besitzer hatte auch schon lange keinen mehr gesehen und erzählte uns Schauergeschichten über die örtliche Drogenszene (der Ort hat 10 Häuser) und das mensch sich nur selber gegen solche Typen wehren kann, da die Polizei sowieso nichts macht. Ich dachte mir: langsam reicht’s mir wirklich mit dieser verdammten Cowboy- Mentalität. Wir fanden dann auch heraus, warum hier nicht so oft jemand vorbeischaut. Es führten direkt zwei Eisenbahnschienen recht und links am Haus vorbei, auf denen die ganze Nacht Güterzüge hupend vorbeifuhren.

Am nächsten Tag sollten wir dann endlich die Metropolregion Vancouver erreichen. Da unser Ziel Vancouver Island war, mussten wir eine entsprechende Fähre nehmen, die von BC-Ferries betrieben wird. Nachdem wir den Highway verließen, sahen wir uns mit einer 10 spurigen Straße konfrontiert. "Oh Gott", dachten wir, da unser Navi auch nicht mehr wusste wohin. Wir folgten einem Hinweisschild mit der Aufschrift Nanaimo, da wir wußten, dass dieser Ort auf der Insel liegt. Schließlich kamen wir zu einem Kassenhäuschen, wo eine aufgeregte Lady von uns 70 $ für die Überfahrt haben wollte. Sie machte mich echt nervös, da sie echt rumstresste und ständig erzählte, dass die Fähre wegen uns Verspätung hätte und dies pro Minute 2000$ kostete. Als ich dann sagte: Na, ja wenn das so ist, nehmen wir einfach die nächste Fähre wurde sie noch wilder. Wo wollen sie denn dann parken!? Etwa hier!? Geben sie mir jetzt endlich die 70$! Oh Gott. Wir sind zwei Minuten zu spät, schrie sie in ihr Funkgerät. Wie gewohnt zückte ich unsere Bankkarte um den Vorgang zu beschleunigen. Da bekam sie große Augen und ihr Gesicht zeigte mir, das sie kurz vor einem Nervenzusammenbruch stand. „So arbeiten wir hier nicht“, schrie sie aufgebracht. Da dachte ich: "Was soll denn das jetzt. Ich arbeite hier doch gar nicht. Was will sie?" Sie faselte etwas von Bargeld und ich versuchte nun unser Kleingeld zu zählen. Da wurde sie nochmals wilder, klammerte sich an ihr Funkgerät und gab schließlich auf. Zum Glück kam dann auch ihre Kollegin und beruhigte sie, da ich auch langsam wütend wurde. Schließlich durften wir zum Bankautomat und danach bei ihrer Kollegin (die uns für Franzosen hielt) ein Ticket lösen.
Wie wir später bemerkten, genießt BC-Ferries bei den Einheimischen einen schlechten Ruf und erst gestern hatte eine Fähre vier Stunden Verspätung (das war bestimmt teuer). Und letzte Woche hat eine Fähre das Anlegedock gerammt und ist in Schieflage geraten. Auf jeden Fall erreichten wir am Abend Coutenay und das Lake Trail Guesthouse, wo wir für ein Weilchen bleiben wollen.

Samstag, 10. Dezember 2011

Doghandler wanted in sasketschuwan, Canada

Dies wird demnächst wieder auf sleddogcentral zu lesen, da wir unseren job hier an den Nagel hängen und weiter ziehen. Für alle, die also noch ein Winterabenteuer als doghandler suchen, bei dem sie nicht nur Hunde pflegen, sondern auch auf Schlitten mit ihnen durch die Gegend düsen und -- wenn gewollt - sogar an Rennen teilnehmen, ist dieses Kennel sicher interessant. Unser musher Gerry, der schon etliche Rennen gewonnen hat, darunter den Canadien Challenge, den Torch river Run und den, ist sicher eine der besten Adressen, wenn jemand etwas über middistance races lernen möchte.
Gegenüber dem Gästeklo hängt alles voll mit Trophäen gewonnener Rennen.
Wer aber so ein Leben anstrebt, sollte sich der guten Seiten, aber auch der Schattenseiten dessen bewusst werden. Für mich gehörte hier zu den Schattenseiten die Einsamkeit. Aber wer ohnehin gern alleine ist, für den mag das sicher weniger wichtig sein. Natürlich trifft Mensch auch gelegentlich auf andere Exemplare seiner Art, aber wirklich nur gelegentlich. 
Dieses wie auch die folgenden Bilder wurden von einer "gamecamera" in Pirceland aufgenommen. Die hängt irgendwo im Wald an einem Baum und wenn sich etwas regt, dann macht sie ein Bild.





Viel mehr anzutreffen sind alle möglichen Wildtiere: Moose, Whitetaildeer gleich herdenweise, Kojoten, manchmal Wölfe oder Schneehasen (selten zusammen), Seeadler, Bären,  jede Menge Vogelvieh und dann natürlich die 47 Hunde, allesamt alaskan Huskys.
Wasser gibt es im Morgengrauen, wenn die Augen der Hunde im Licht meiner headlamp schaurig leuchten.
Die täglichen Aufgaben wie füttern, wässern oder Scheiße schaufeln sind in jedem Falle mit guter körperlicher Verfassung leichter zu bewältigen.  Obgleich man auch dann gelegentlich spürt, dass der Rücken vorhanden ist und nicht damit einverstanden zu sein scheint, so oft gebeugt zu werden. Denn 47 Hunde, die 2 mal am Tag gewässert werden, dass bedeutet dann schon 188 mal bücken. Einmal für das Wasser hinstellen, und einmal für das Wasser wegnehmen, bevor es in den Näpfen gefriert. Auch  können die Hunde hier alle zusammen am Tag circa zwischen 94 und 141 Haufen produzieren, die mit dem Eispickel vom Boden gepickelt werden müssen, um dann anschließend mit der Schaufel in Eimer befördert zu werden. Danach kommt dann alles auf einen enormen Hundescheißhaufen und wird kompostiert. Und am nächsten Tag alles wieder von vorne. Wer sich nach einer Weile dann wie Sysiphus vorkommt, hat nicht ganz unrecht. Aber diese Arbeiten gehören einfach dazu.
Dieser tote Hirsch hier wird Hundefutter.
Ebenso gehört das Zubereiten von Hundefutter zum täglichen Geschäft. Es gibt zumeist eine Fleischbrühe mit allenmöglichen Zusätzen wie Öl und Vitaminen und natürlich Kibble (Trockenfutter). Damit einem das Frischfleisch nicht ausgeht, wird gelegentlich herumtelefoniert, ob nicht einer der Nachbarn eine alte Kuh oder ein altes Pferd zu verschenken hat, dass dann hier geschlachtet und sofort zu Hackfleisch verarbeitet wird. Gestern hat jemand angerufen, der zwei alte Pferde loswerden will. Ich bin heilfroh nicht mehr hier zu sein, wenn das Schlachten losgeht. Aber so st es eben. Die Hunde brauchen Fleisch. Vor zwei Wochen bekamen wir von einem Jäger 4 tote Whitetaildeers geschenkt, die unsere Hunde seitdem Stück für Stück zum Abendessen verspeisen. Als wir diese in kleine Stücke verschnetzelt haben, kam ich mir schon ein weniger vor, wie in einem Chainsaw-massacre-Horror-Film.
Die Belohnung für all die Hundepflege ist dann letztlich das Training. Am Anfang fuhren wir zusammen mit dem musher auf einem Tandemschlitten, wenige Tage später schon allein mit einem 6 dog Team (s.vorige Artikel). Manchmal konnte ich das genießen, aber alles in allem habe ich gemerkt, dass ich doch nicht der Typ bin, der das hier auf Dauer machen kann. Unser musher, der etwa 10 Jahre erfahrener ist als ich was Schlittenhunde angeht, liebt das Leben gelegentlich wild und gefährlich. Ich liebe das Leben; einfach nur so. Drum empfindet er waghalsige trails mit engen Kurven und steilen Abhängen als spaßig, während ich jedes Mal hinterher gar nicht recht glauben konnte, wie ich da heil wieder rausgekommen bin. Früher habe ich so etwas genossen; ebenso wie unser musher hier, der früher ein Bullriding Champion war. Obwohl er das Bullriding aufgab, hat er immer noch einen Hang zu sehr aufregenden sportlichen Betätigungen. Was ich auch von mir dachte. So kann man sich irren.
Sicher hätte ich das Hundeschlittenfahren auf schwierigen Trails mit der Zeit lernen können. Und der musher ist auch echt ein Mensch, mit dem man reden kann, der eventuell ein Kompromiss gefunden hätte…aber da es noch viele andere Dinge hier gibt, die mir wenig behagen und ich nicht von mir behaupten kann in der Zeit hier absolut crazy about sleddogs geworden sein, ist es Zeit für mich und meine geschätzte Reisebegleitung weiter zu ziehen.
Abgesehen von dem job als handler, sind auch die Leute, die einem über den Weg laufen,  sehr fixiert auf eine Lebensrealität, die sich im hohen Maße ums Jagen dreht. Ein Thema, bei dem ich null mitreden kann, und was mich auch nicht als solches interessiert. Aber ich habe hier gelernt, diese ganze Jägerkultur zu respektieren; anders geht es hier einfach nicht. Im Umkehrschluss anzunehmen, dass die Bevölkerung hier  irgendein Verständnis für Vegetarier hat ist schlichtweg falsch, weswegen ich diesen Teil meines Lebens nicht unbedingt mehr gegenüber Leuten erwähne.

Dieser lustig gemeinte Aufkleber klebt an unserem Quad.
Womit man sich als handler auch zumeist abfinden muss ist, dass man quasi sehr eng mit den Leuten zusammen wohnt. Das hat der Vorteil, dass sie einen wundervoll bekochen, einem faszinierende Geschichten erzählen und überallhin einladen. Doch möchte man dann mal Zeit nur für sich ist das eher schwierig. Dies kann natürlich auch an der hier vorgelebten Arbeitsmoral liegen. Es ist schon möglich frei zu bekommen, aber eher auf Nachfrage, nicht als regelmäßige Vereinbarung. Dies könnte der oder die nächsten handler auch anders verabreden, denke ich. Wir waren nicht richtig gut darin um einen freien Tag zu bitten, weswegen wir unseren ersten freien Tag auch erst nach ein anderthalb Monaten hatten. Vorher war absolut jeder Tag ein Arbeitstag.
Hier waren die Biber am Werk.
An  meinem freien Tag dann fuhren wir nach Cold Lake. Hin,- und hergerissen einen Nebenjob anzunehmen, oder alles hinzuschmeißen. Wir wanderten durch die nähere Umgebung, passierten Biberhäuser und waren ständig umgeben von einem ohrenbetäubenden Lärm.
Das waren die Kampflieger der nahegelegenen Militärbasis. Wir gingen spazieren und dann in alle möglichen Fast-Food- Restaurants, in denen wir unsere Lage ausgiebig diskutierten. Nach den ganzen Wochen hier hatten wir immer noch keine Leute kennengelernt, weswegen wir also niemanden besuchen konnten. Ich hatte mir sogar überlegt, andere Musiker zu finden, zwecks gemeinsamen Musizierens und dem Knüpfen sozialer Kontakte. Ich fand heraus, dass es zumindest zwei Chöre gab…einen kirchlichen und den anderen von der Militärbasis. Da ich aber nicht besonders christlich bin und mir auch nicht vorstellen kann Loblieder auf das Militär zu singen, nicht mal auf das kanadische, fiel dieser Plan also auch flach. Ich glaube, wenn ich zu der einen oder anderen Chorprobe gegangen wäre, hätte ich demnächst das Gefühl, nicht mehr ich selbst zu sein…das Gefühl quasi von den Borg assimiliert worden zu sein. Wir sind die Borg. Sie werden assimiliert werden. Wiederstand ist zwecklos. No Exit, wie auf einem Straßenschild  unweit unseres jetzigen Heims steht.
Nein, fair ist dieser Vergleich mit unfreundlichen Außerirdischen nicht. Es gibt hier sicher viele faszinierende Menschen. Zu viele davon habe ich noch nicht gesehen. Aber ein paar schon. Am Tage, als wir beschlossen weiterzuziehen, bekamen wir eine Einladung zu einen Wohnzimmerkonzert im örtlichen Bed and Breakfast. Ein wirklich sympathischer (und anscheinend recht bekannter) Musiker  von Kanadas sunshine coast  spielte Gitarre und sang songs. Überall standen jede Menge Kuchen und andere Desserts herum, außerdem Wein und Himbeersaftpunsch (köstlich!).  Da wir uns ja in einem Wohnzimmer befanden, hatten alle - auch der Musiker - ihre Schuhe ausgezogen und liefern in Socken herum. In den Pausen sprachen wir mit etlichen uns vorher gänzlich unbekannten Menschen aus der Gegend, die uns gern zu sich eingeladen hätte, was aber keinen Sinn mehr machte, da wir ihnen sagten, dass wir weiterziehen würden. Daraufhin schrieben einige uns ausufernde Zettel mit Orten, die wir unbedingt auf unserer Reise besuchen sollten. Es war ein bezaubernder Abend. Im Übrigen findet ein solcher Abend an jedem ersten Freitag im Monat statt. Wir hatten das Glück von der freundlichen Besitzerin des Etablissements eingeladen zu werden; ansonsten kostet der Abend etwa 20 Dollar. Getränke, Desserts und anregende Gespräche inbegriffen.
Maguire's Bridge Bed & Breakfast
Nun ist unser letzter Tag in Pierceland angebrochen. Wir verlassen den Ort morgen sich mit einem lachendem,- und einem weinendem Auge. Aber unsere Entscheidung steht fest.
Die Frau des mushers besteht darauf noch unsere Klamotten zu waschen, wir bekamen eine Straßenkarte (auf der die besten Routen und die schönsten Orte von Gerry mit einem gelben Marker gekennzeichnet wurden), eine Tim Hortens Geschenkkarte und etwas Taschengeld geschenkt, und dann sagen sie noch: Sagt Bescheid, wenn ihr gute angekommen seid. Ein sehr familiärer Abschied. Wer weiß, vielleicht werden wir uns einmal wiedersehen.

Montag, 21. November 2011

Das erste mal mit Schlittenhunden unterwegs

Nun in der zweiten Novemberhälfte liegt in Pierceland Sakatschuwan endlich genug Schnee. Dies ist der langersehnte Augenblick, wo wir das erste mal mit den Alaskan Husky und einem Hundeschlitten unterwegs sein können. Unser musher Gerry fragte uns doghandler beim Frühstück, wer denn als erstes mitwolle. Ich zeigte sofort auf meine Reisebegleitung, bevor diese auch nur ja oder nein sagen konnte. Also bestiegen mein doghandlerfreund und unser musher den Tandemschlitten und verschwanden mit ihren 12 Hunden in den schneebedeckten Feldern.
Nach etwa 2 Stunden kehrten sie zurück. Beide hatten Ähnlichkeiten mit Schneemänner. Schnee in den Augenbrauen, in den Mützen, auf den Jacken, alles weiß. „Seid ihr umgekippt?“ wollte ich wissen. „Nein“ sagten die beiden schmunzelnd. „Aber Dein Freund ist einmal abgefallen und in den Schnee getaucht“, ergänzte der musher.
Obwohl ich in meiner Jugend in Skandinavien sehr viel Ski gefahren bin und insofern einen Vorteil hatte, war ich mir doch sicher, dass ich auch zumindest einmal vom Schlitten fallen würde. Aber bevor ich mir noch mehr Gedanken darüber machen konnte sagte Gerry (nicht etwas zu mir, nein zu seinen Hunden): "Are you ready! All right“ Und sofort ging es mit einem Ruck los. 
Kurz vor der Abfahrt bekomme ich noch letzte Instruktionen.

Hunde die bis eben noch wild gejault, gekläft und in die Höhe gesprungen waren gaben augenblicklich kein Mucks mehr von sich. Nur noch der Wind in den Bäumen, ein hecheln hier und da sowie die aufkommenden Hundepfoten auf dem trail waren zu hören. Alle Hunde waren so glücklich endlich loszukommen, dass sie rannten als sei der Teufel persönlich hinter ihnen her, worauf hin Gerry sich zu mir umdreht und sagte. „Auf die dragmat“! Die dragmat ist, neben den beiden snowhooks und der richtigen Bremse, so eine Art leichter Bremse, mit der die Geschwindigkeit reguliert wird, so dass die Hunde ständig zwischen einem leichten Galopp und einem schnellen Trab wechseln. Es ist bei genauerer Betrachtung einfach ein Stück raues Plastik, Autoreifen oder ähnliches, auf das man sich stellen kann, um die Fahrt ein wenig zu verlangsamen, und auf dem man dann hinter dem Schlitten hinterher geschleift wird. „Ok, dachte ich, einen Fuß kann ich vielleicht riskieren und setze vorsichtig meinen Fuß auf die Matte, woraufhin ich sofort in einem Schneegestöber stand. „Ok“, sagte meine musher nach einer Weile und ich durfte zurück auf die Runners, also die Kufen, was sich sofort viel sicherer anfühlte. Bis jetzt ging es zumeist geradeaus, was ich zwar nicht sehen konnte, da ich hinten auf dem Tandemschlitten stand. Doch so war es. Sollte aber nicht so bleiben. Das einzige was ich sehen konnte war der Rücken von meinem Vordermann. Und dann kam die Kurve. Ich dachte an seine einprägsamen Worte vom Frühstück: Egal was auch passiert, niemals den Schlitten loslassen. Die Kurve schleuderte mich weit nach außen. Aber ich hielt mich krampfhaft an meiner handelbar fest, ging in die Knie, die Hunde legten noch einmal an Geschwindigkeit zu, mein einer Fuß war nach einem plötzlichen Holpern auf einmal in der Luft. Doch dann fand ich wieder halt und es kam eine Gerade, in der die Huskys wieder ein wenig langsamer trabten. "You still there?" , fragte mein musher? "Yes, accidently".

Viele Biegungen später war ich immer noch nicht abgefallen. Immer fanden die Schlittenhunde besonders gefallen daran, in den Kurven am schnellsten zu laufen. Manchmal schauten sie danach verschmitzt zurück, ob alle noch auf dem Schlitten waren. Als ob sie sagen wollten, Hey, das war doch ein juhu-Kurve! Toll oder? 

Nach den Feldern, kam ein kleiner Berg der bedeckt ist mit jungen Bäumen. Einige kamen mir auf dem Weg nach unten bedrohlich nahe. Puh, das war überstanden. Der kleine Hain lag hinter uns, als vor uns der Wald auftauchte. Bäume soweit das Auge reicht. Der Trail im Wald hatte viele Löcher, die noch nicht mit Schnee gefüllt waren, enge Kurven, plötzliche Senken und steile Anstiege. Ich konnte immer nur den Rücken des mushers vor mir sehen. Es war wie blind Skifahren, immer den Berg runter, ohne zu wissen, wo eine kleine Sprungschanze ist, einfach nach Gefühl. Und dann ging es abwärts auf die Firetoweroad. Mein musher stand auf der Bremse und sagte „Easy“ zu seinen Hunden, um sie ein wenig langsamer laufen zu lassen. Und plötzlich „Gee“, ein rechtskurve am hurtslake. In Gedanken war ich schon abgefallen, so sehr wurde ich hinten auf dem Schlitten herumgeschleudert, doch ich fiel nicht ab, immer noch nicht. Ohne ein Blick auf den vermutlich wunderschönen See geworfen zu haben ging es zurück nach Hause. Und alles ohne Zwischenfälle. An einer kleinen Tanne machten wir noch einmal halt. Nachdem Gerry den Hunden ein langgezogenes „Wooo“ zugerufen hatte, wurde sie erstaunlich langsam, worauf hin er einen kleinen blauen snowhook (Schneeanker), der mich an ein Schiffsanker erinnerte, im Vorbeifahren an einer jungen Tanne befestigte. Dann standen die Pelzgesichter plötzlich. Der Leader pinkelte gegen einen Baum, die Pointdogs hinter ihm schnappten sich eine Schnauze voll Schnee und jeder wurde von Gerry gestreichelt und bekam zu hören, was für ein guter Hund er oder sie heute war. Nach kurzer Pause fuhren wir heim. Trotz aller Versuche und böser Vorahnungen habe ich es nicht geschafft an diesem Tag vom Schlitten zu fallen.
Am nächsten Tag allerdings, hat es mich auch mal vom Schlitten gehauen…bin aber weich im Schnee gelandet. 

Von nun an dürfen wir vorne fahren. Und wer vorne steht, der lenkt. Eine „Fahrstunde“ haben wir schon gehabt, und unser Schlitten ist immer noch heil….obwohl ich einmal sehr nahe an einem echt dicken Baum vorbeigefahren bin. Der hinter mir stehende musher meinte daraufhin nur trocken:„ So nahe war ich diesem Baum noch nie“. „Und hast Du jetzt Angst, weil ich fast dagegen gefahren bin?“, fragte ich darauf hin. „Wir waren nahe dran…aber das zählt nur etwas beim Hufeisenwerfen oder beim Handtieren mit Handgraten“, antwortete mein Hintermann. Dann kann es ja nur besser werden. Weil Vorsicht besser ist als Nachsicht und auch um meine geschätzten Anverwandten nicht mit Albträumen zu belasten, werden wir aber in Zukunft einen Sturzhelm tragen, den wir jüngst im Keller des Hauses fanden. Also: Bloß keine Panik!

Ausrüstung der Schlittenhunde und die Routine im kennel



Seit kurzem haben wir die ATW´s gegen das Training auf dem Schlitten eingetauscht.

Dieses Fall-Training mit dem Quads gehört nun der Vergangenheit an

Aber bevor wir eigentlich mit den Hunden losfahren können, gibt es erstmal eine Menge andere Dinge zu tun. Als erstes Frühmorgens: Wässern. Um 6 oder 7 Uhr ist es natürlich noch dunkel und viel Hunde kommen gar nicht erst aus ihrem Haus, wenn ich ihnen eine große Kelle lauwarmes Wasser anbiete. Wer trinkt: gut, wer nicht trinkt: auch gut. Das nicht getrunkene Wasser muss allerdings dann wenige Minuten später wieder eingesammelt werden, bevor es gefrieren kann. Dann danach gibt es für die Zweibeiner Frühstück. Immer Toast oder Cerealien, meistens Eier in jeglicher Form und Sonntags Pfannkuchen. Nach dem Frühstück: Saubermachen. Dabei ist es mit all diesem Schnee ein  wenig wie Ostern: Auf der Suche nach kleinen, braunen Eiern…oder so etwas anderem braunen. Vielleicht habt ihr erraten, was ich meine…und wenn nicht, dann seid ihr hoffentlich nicht gerade beim Frühstücken oder ähnlichem, denn ich rede von dogpoo, cigars, dogshit oder auch Hundescheiße, wie man unverblümt im Deutschen sagt. Zumeist gehen wir zu zweit durch das Kennel. Ich mit Schaufel, und meine Reisbegleitung mit einer Rieseneisenstange, mit der die zumeist gefrorenen Haufen, wenn wir sie dann unter dem Schnee gefunden haben, losgepickelt werden. Alles kommt dann in vier große Eimer, die täglich ein oder zweimal auf einem enormen Hundescheißberg gelehrt werden.
Kompostierung von dogpoo
Erst danach werfen wir einen Blick auf die Liste der Hunde, die mit ins Gelände dürfen.

Jeder mit einer leine bewaffnet, lässt sich nun von den aufgeregten Schnuffelmehr oder weniger zur Tie-out-Line schleifen, wo die Huskys darauf warten, ein Geschirr (oder harness) angezogen zu bekommen. 
Hunde, die einen zur Tie-out-line schleifen, wie der einjährige Cornflake, haben gute Chancen darauf später erfolgreiche Leader zu werden meint unser musher. Drum sollen wir sie zu unserem Leidwesen nicht davon abhalten…
Dieses kennel hier verfügt über 4 verschiedenen Arten von harness. Eins hat sich von vornherein als so schlecht erwiesen, dass es nicht mehr benutzt wird, weil die Hunde damit nicht ziehen wollten. Die Konstruktion drückt ihnen beim Ziehen die Luft ab. Und das ist hier wirklich kontraproduktiv, da die Schnuffels ja in jeder Lebenslage ziehen sollen. Die anderen drei sind H-back;- X-back und das seavey- Geschirr, welches hinten einen kleinen Steg hat. Sehr beliebt bei den Hunden; hat aber leider den Nachteil, dass der Steg beim Laufen gern angekackt wird. Denn natürlich hält ein richtiger Schlittenhund nicht an, wenn er mal groß oder klein muss. 
X-back harness

seavey harness

H-back harness

Nicht jedes Geschirr ist gut für jeden Hund. Einige Hunde bekommen leichter als andere eine wunde Stelle unter ihren Achseln (harnessrub). Dann wird oftmals eines der anderen Geschirre für diesen Hund verwendet. Außerdem bekommt der Patient eine Einreibung mit Babypopo-Zinksalbe und läuft von da ab mit der wunden Stelle an der Gangline. Die besonders schwierigen Fälle kriegen darüber hinaus noch ein kleines T-Shirt verpasst. 
Plato mit Hunde-T-shirt

Am Ende des Runs, wenn wir wieder im Kennel sind, warten die Hunde freudig wedelnd vor dem shed (einer kleinen Hütte) auf ihre wohlverdiente Belohnung: Gefrorenen Fisch-Hühnersnacks. Na dann: Guten Appetit!